Vertreibung und die Rhetorik des Völkermords | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Vertreibung und die Rhetorik des Völkermords

von Kurt Nelhiebel

Zuerst haben alle geschwiegen, dann war die Aufregung groß. Selbst in den Jahren des Kalten Krieges sei das Motto eines Sudetendeutschen Tages nie so aggressiv gewesen wie in diesem Jahr, schrieb der Ko-Vorsitzende der Deutsch-Tschechischen Historikerkommission, Martin Schulze Wessel, in der „Süddeutschen Zeitung“. Das Schicksal der Sudetendeutschen sei doch schlimm genug gewesen, „weshalb meint man es heute übertreiben und mit ‚Völkermord‘ gleichsetzen zu müssen?“ Das verbaue den Weg zu einer besonnenen Klärung der Vergangenheitsfragen und gefährde die gemeinsame Zukunft. Auch der Direktor des Instituts für Genozidforschung an der Ruhruniversität, Mihran Dabag, reagierte irritiert auf das Motto „Vertreibung ist Völkermord – dem Recht auf die Heimat gehört die Zukunft“.

(aus: »Blätter« 7/2006, Seite 791-795)
Themen: Migration, Europa und Krieg und Frieden

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