Ausgabe März 2006

Die verlorenen Dialoge der Zivilisationen

Ein Essay des Literaturnobelpreisträgers

Wenn die indische Schriftstellerin Arundhati Roy gegen die Überschwemmung menschlicher Gemeinschaften durch die Flutwasser eines Staudammes kämpft, dann protestiert sie nicht nur gegen den Vormarsch der Technologie auf Kosten lebender Gemeinschaften. Sie schützt auch das Erbe und die Kultur, die fundamentalen Bestandteile der Zivilisation, die eine menschliche Gemeinschaft definieren und sie als eine lebendige Einheit auszeichnen, die ihre Existenz kontinuierlich neu schafft. Wir haben es uns aber angewöhnt, Fortschritt mit dem technischen Fortschritt gleichzusetzen, nach dem Motto „je gigantischer, desto besser“, so dass vieles von dem, was wir als eindeutige Belege für die Leistungen des menschlichen Geistes ansehen, zerstört wird.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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