Ausgabe Juli 2007

Wasser als Genderfrage

Der aktuelle Human Development Report des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) trägt den Titel „Nicht nur eine Frage der Knappheit: Macht, Armut und die globale Wasserkrise“. Damit wird auf eine Grundtatsache verwiesen, die in der öffentlichen Debatte häufig übersehen wird: Die Ressource Wasser ist nicht generell knapp, sie ist in erster Linie ungleich verteilt. Wasserknappheit, so die grundlegende These des Berichts, wird in den meisten Fällen nicht durch tatsächliche Versorgungsmängel verursacht, sondern sie hat institutionelle und politische Ursachen. 1

In besonderer Weise sind Frauen von Wasserknappheit betroffen. Dennoch wird dieser Tatsache in der konkreten Politik kaum Beachtung geschenkt, obwohl bereits seit Jahren die besondere Berücksichtigung der Rolle von Frauen postuliert wird. So verlangt etwa Ziel 3 der UN-Millenniumsziele die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter, unter anderem, so Ziel 7, beim Zugang zu sauberem Trinkwasser. Auch im UNDP-Bericht finden sich zahlreiche Hinweise auf den Zusammenhang von Wasserkrise und Geschlechterungleichheit. So sind Frauen schon aufgrund ihrer Zuständigkeit für die reproduktiven Tätigkeiten in besonderem Maße von Wasser abhängig. Nahrungszubereitung, Hygiene und Gesundheitsversorgung sind ohne Wasser nachgerade nicht möglich.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Feminismus

Sexualisierte Gewalt: Der nette Typ von nebenan

von Pia Stendera

Ende März zog es spontan viele Menschen zu Demonstrationen in zahlreichen Großstädten des Landes. Der Anlass dafür waren Vorwürfe von Collien Fernandes im »Spiegel« über mutmaßliche Taten ihres Ex-Ehemanns Christian Ulmen, die sich in ihrer Ausführlichkeit und Perfidität schwer ignorieren lassen.