„Europa lässt uns nicht träumen“, sagt die niederländische Philosophin und Feministin Rosi Braidotti. Es fehle ein „soziales Imaginäres“, das sich nicht wieder nur aus dem Ideenreservoir der Nation speist, sondern eine andere Vorstellung postnationaler, „nomadischer“ Identitäten und Staatsbürgerschaften entwirft. Tatsächlich würde sich die Chance, diese Lücke zu füllen, gerade jetzt bieten, wo Europa dabei sei, sich selbst und seinen politischen Raum neu zu erfinden. Zudem hätten gerade postnationale Ideen – so Braidotti weiter – am Anfang des europäischen Neubeginns nach dem Zweiten Weltkrieg gestanden, waren es doch die Erfahrungen des deutschen NSFaschismus, seines Nationalismus und Rassismus, die das soziale Imaginäre eines anderen Europa beflügelten.
(aus: »Blätter« 5/2007, Seite 618-624)
Themen: Europa, Frauen und Migration