Ausgabe August 2009

Revolution und Anti-Politik. Reflexionen über 1989

Zwanzig Jahre nach den revolutionären Umbrüchen von 1989/90 stellt sich die Frage nach der welthistorische Bedeutung der Ereignisse. Eine Frage, die noch immer schwer zu beantworten ist. Eines jedoch steht fest: Vor 1989 hat niemand den Umsturz des alten Systems erwartet. Nachdem er einmal stattgefunden hatte, schien dagegen jeder seine eigene Erklärung dafür zu haben, warum der Zusammenbruch des Staatssozialismus unvermeidlich gewesen war.

Dass niemand den Umbruch erwartet hat, bedeutet jedoch nicht, dass niemand den Wunsch nach Veränderung oder sogar nach radikalem und systemischem Wandel gehabt hätte. Und die Tatsache, dass jedermann dachte, ihn im Nachhinein zu verstehen, bedeutet nicht, dass man ihn eigentlich im Vorhinein hätte verstehen können. Das ist die Natur von Politik: Es gibt keine Gewissheit ihrer Ergebnisse, selbst wenn im Nachhinein betrachtet alles vorherbestimmt gewesen zu sein scheint, sogar die Revolution. Denn der Augenschein kann trügerisch sein.

Um die Bedeutung der Umbrüche von 1989 herauszuarbeiten, möchte ich sie in einen breiteren historischen Zusammenhang stellen, der mit der Amerikanischen und der Französischen Revolution begann (die ihrerseits Teil einer größeren Bewegung waren, welche R. R. Palmer in seiner klassischen Studie von 1959 als „The Age of Democratic Revolution“ beschrieben hat).

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