Ausgabe Dezember 2009

Eliten-Rassismus à la Sarrazin

Elitäre Verachtung gegenüber allen Gruppen, die als Nicht-Leistungsträger bzw. als „Leistungsverweigerer“ angesehen werden, ist in der bundesdeutschen Gesellschaft nichts Neues. Das für große Aufmerksamkeit sorgende Interview der Zeitschrift „lettre international“ mit Thilo Sarrazin – unter dem bezeichnenden Titel „Klasse statt Masse“ – ist jedoch ein besonders krasses Beispiel für einen Eliten-Rassismus, wie man ihn in dieser Deutlichkeit selten findet.

Primäre Feindbilder sind für Sarrazin dabei türkische und arabische Bevölkerungsgruppen, denen kollektive, wesenhafte und damit nicht veränderliche negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Aber auch die deutschen Unterschichten werden von Sarrazin in sozialrassistischer Art charakterisiert, so dass ihre soziale Lage und der damit verbundene Habitus als natürlich und nicht veränderbar erscheinen.

Hintergrund für Sarrazins Tiraden ist die Vorstellung einer grundsätzlichen Ungleichwertigkeit verschiedener Bevölkerungsgruppen, die als Gegensatz von Elite und Unterschicht zum Ausdruck kommt. „Klasse statt Masse“, Überschrift und Schlusszitat von Sarrazins Beitrag, kennzeichnen seine elitäre Grundhaltung. Hier findet sich der innerste Kern der neoliberalen Ideologie.

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