Ausgabe Januar 2009

Der Außergewöhnliche

Spätestens seit dem 4. November 2008 ist Enthusiasmus geradezu obligatorisch – über diesen, so scheint es, ersten politischen Superstar unseres Zeitalters. Gleichzeitig steigt die Spannung hin zum 20. Januar 2009, dem Tag des Amtsantritts, zu dem mit zwei bis drei Millionen Menschen die möglicherweise größte Massenversammlung aller Zeiten erwartet wird. Mit seinem in diesen finsteren Zeiten Mut machenden Zuruf „Yes, we can“ hat Barack Obama vielen hoffnungswilligen Menschen aus der Seele gesprochen – und mit seinem zweiten Buch1 sein Credo begründet. „The Audacity of Hope“, so der Titel, der den deutschen Leser an Kants Aufklärungsschrift erinnern darf: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Aber ist diese Hoffnungsbegeisterung auch nur halbwegs berechtigt? Oder ist die ganze Obamania nur ein flüchtiges, massenpsychologisches Phänomen, ihr Gegenstand ein PR-Produkt wie seinerzeit, was wir allerdings erst viel später erfuhren, John F. Kennedy? 2

Wir wissen es nicht, und Skepsis ist in solchen Fällen immer eine intellektuelle Tugend. Aber mit Skepsis allein ist ernsthaften Versuchen, Neues und Notwendiges zu beginnen, nicht gedient: Sie kann für die Hoffnung tödlich sein.

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