Ausgabe Juni 2009

Pakistan im Mehrfrontenkrieg

Die besorgniserregenden Nachrichten aus Pakistan reißen nicht ab: Im Nordwesten des Landes erstarken die Taliban und infiltrieren das benachbarte Afghanistan, im Osten kommen die Konflikte um die Region Kaschmir nicht zur Ruhe, und auch in weiten Teilen des übrigen Landes gewinnen islamistische Kräfte stetig an Einfluss. In Reaktion auf die jüngste Offensive der pakistanischen Armee im Swat-Tal verlassen derzeit hunderttausende Flüchtlinge die umkämpften Gebiete und suchen Zuflucht in Auffanglagern, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und Behörden eingerichtet haben. Die zivile Regierung, die erst seit vergangenem Jahr im Amt ist, erweist sich als unwillig bzw. unfähig, den Zerfallserscheinungen des Landes wirksam zu begegnen, aber auch den militärisch-geheimdienstlichen Komplex in die Schranken zu weisen und ihre nationale Souveränität zu behaupten.

In Washington betrachtet man Pakistan bereits als failing state, der Druck auf Islamabad wächst. So erklärte US-Präsident Barack Obama im Rahmen seiner 100-Tage-Bilanz, er sei „ernsthaft besorgt“ über die schwindende Autorität der Zentralregierung und über die dadurch wachsende Gefahr, das atomar bewaffnete Pakistan könnte längerfristig zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheitsinteressen der USA werden. 1

Bereits vor Monaten dehnte die U.S. Army selbst die afghanische Kampfzone auf den Nordwesten Pakistans aus und flog Luftangriffe auf Nachschubstellungen der Taliban.

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