Ausgabe November 2009

Wohin treibt die SPD? Von Marx zu Kant: Bad Godesberg und der ethische Sozialismus

Zum Feiern dürfte der SPD nicht zumute sein, wenn sich am 15. November, nur wenige Wochen nach der größten Niederlage der deutschen Sozialdemokratie in der jüngeren Geschichte, die Verabschiedung des Godesberger Programms zum 50. Mal jährt. Das 1959 beschlossene Programm gilt als die große pragmatische Wende der Partei, die sie auf der einen Seite zur Volkspartei werden ließ und ihr damit überhaupt erst künftige Machtoptionen ermöglichte, auf der anderen Seite aber auch den Abschied von alten Theorie- und Gesellschaftsvorstellungen bedeutete.

Vor dem Hintergrund des verheerenden Ergebnisses bei der letzten Bundestagswahl ist die Rückbesinnung auf die damalige Debatte von großem Interesse – schon um zukünftige Fehler zu vermeiden. Bis heute ist deren Aktualitätswert eminent, gerade in Anbetracht der globalen Wirtschaftskrise. Denn wie damals steht die Linke heute insgesamt vor der Frage, ob eine freiheitliche und gerechte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung denkbar ist, die über den Kapitalismus hinausweist – und wie diese beschaffen sein müsste.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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