Ausgabe April 2010

Weltgeschichtliches zum Tage

 "Soweit ich weiß, gibt es keine Gesellschaft ohne den Begriff der Ungerechtigkeit. Und daher soll es auch keine geben, in der man sich nicht gegen sie auflehnt.“ So lautet einer der Kernsätze des großen marxistischen Historikers Eric Hobsbawm. Schon der Stil lässt erkennen, dass er nicht nur für Kollegen schreibt, sondern sich auch an Leser jenseits der Seminare wendet. Da Hobsbawm aber nicht nur glasperlenspielartig Geschichte schreibt, sondern auch, um die Welt zu verbessern, verfasst er immer wieder Texte zu Zeitthemen.

„Globalisierung, Demokratie und Terrorismus“ ist die jüngste von ihm zusammengestellte, im englischsprachigen Raum bereits 2007 erschienene Textsammlung, die nun für die deutsche Ausgabe aktualisiert wurde. Der von Friedrich-Martin Balzer und Georg Fülberth fast zeitgleich herausgegebene Band „Zwischenwelten und Übergangszeiten“ versammelt ältere wie ganz neue Arbeiten. So stammt der erste Text zur Erneuerung des Marxismus von 1965, die letzten beiden sind dagegen Interviews vom 9. Januar 2009 zur gegenwärtigen Krise, die für Hobsbawm die dritte große Krise des Kapitalismus bedeutet, nach den Erschütterungen der 1870er Jahre und dem Zusammenbruch von 1929.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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