Ausgabe August 2010

Neoleninismus in der Postdemokratie

Die letzte Woche des Juni 2010 war in Deutschland durch zwei politische Ereignisse gekennzeichnet, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. So tagte am letzten Wochenende in der Berliner Volksbühne der Kongress „Die Idee des Kommunismus“ unter Beteiligung so prominenter linker Theoretiker wie Alain Badiou, Slavoj Žižek und Toni Negri, während drei Tage später – ebenfalls in Berlin – die Wahl zwischen den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck und Christian Wulff entschieden wurde.

Die Stimmung vor der Wahl zwischen Gauck und Wulff schien genau das auszudrücken, was auch die Politikwissenschaft neuerdings feststellt – Verdruss über den politischen Betrieb, der sich von der Demokratie zur „Postdemokratie“ hin zu verschieben scheint und die Sehnsucht nach einer „echten“ kollektiven Willensbildung.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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