Ausgabe März 2010

Ende eines Jahrhundertmythos?

Ketzerische Gedanken über Vergangenheit und Zukunft des Sozialismus

Zum 70. Geburtstag von Rudi Dutschke (7. März 1940 – 24. Dezember 1979)

Vor 20 Jahren haben die osteuropäischen Völker „ein Jahrhundert abgewählt“ (Timothy Garton Ash). Das „Gespenst des Kommunismus“, das zu Zeiten von Marx und Engels „in Europa umging“, ging innerhalb weniger Monate unter – wobei der triumphale Sieg von Helmut Kohls „Allianz für Deutschland“ bei den letzten DDR-Volkskammerwahlen im März 1990 nur einen Zwischenakkord darstellte.

„Was bleibt vom Sozialismus?“, fragten sich seither all jene, für die dieser Begriff nicht nur ein Weltbild konstituiert hat, das jetzt in Scherben lag, sondern auch ein bestimmendes Element ihrer politischen Biographie und Arbeit gewesen ist. Für die „Sieger” im Systemkampf und ihr multimediales Dienstpersonal war die Antwort dagegen klar: Man kann den Sozialismus abschreiben. Mit den „real existierenden Sozialismen” habe sich, verkündeten sie, auch Idee, Utopie, Ethik, Menschenbild und Programm des Sozialismus für alle Zeiten erledigt.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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