Ausgabe März 2010

Ukraine in Blau

Der Sieger der Präsidentenwahl in der Ukraine 2010 heißt Viktor Janukowitsch. In der Stichwahl kommt der Kandidat der Partei der Regionen (PR) auf 49 Prozent, während seine Widersacherin Julia Timoschenko 45,5 Prozent der Stimmen erhielt. Der Abstand ist knapp, aber eindeutig.

Timoschenko, die einstige Ikone der „Orange Revolution“ hat diese Wahl mehr verloren, als dass sie Janukowitsch gewonnen hat. Ein Grund war die Enttäuschung über ausgebliebene Reformen an den staatlichen Institutionen, in der Wirtschaft und der Justiz, die die orangefarbenen Kräfte versprochen hatten. Hinzu kommt die Ermüdung über geradezu anarchische Rivalitäten nicht nur zwischen den „blauen“ und „orangen“ Politikern, sondern auch innerhalb des orangen Lagers und den daraus resultierenden politischen Selbstblockaden. Außerdem wurden die negativen Folgen der die Ukraine schwer treffenden Finanzkrise der Regierung Timoschenko angelastet, obwohl ihr Widersacher in dieser Situation kaum hätte anders handeln können. So verwundert es nicht, dass vor allem in der Zentralukraine ehemals orangefarbene Wähler entweder nicht zur Wahl gingen oder Janukowitsch wählten. Zwar lag Timoschenko in diesen Regionen vorne, konnte das bisherige Potential der orangefarbenen Kräfte aber nicht voll ausschöpfen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.