Ausgabe November 2010

Die Plünderung der Tiefsee

Wahrscheinlich werden wir uns hier in Europa erst wieder bei den Jahresrückblicken daran erinnern, was in diesem Jahr im Golf von Mexiko passiert ist. Ohne die Kameras am Meeresgrund, die erst nach einer Anweisung des US-Kongresses angeschaltet wurden, wäre das Desaster von uns, die wir nicht betroffen sind, womöglich schon nach wenigen Tagen vergessen gewesen. Denn wieso sollte es im Falle der „Deepwater Horizon“ anders sein als im Niger-Delta, wo jährlich etwa so viel Öl austritt, wie die Exxon Valdez einst verloren hat – und dies bereits seit nunmehr 50 Jahren. Die Kameras im Golf von Mexiko haben uns vor Augen geführt, was wir gerne igorieren: Unsere Abhängigkeit vom Erdöl hat die Gefahren, die bei der Förderung eingegangen werden, ins Unermessliche steigen lassen – Ölförderung ist zur Hochrisikotechnologie geworden. Umso erschreckender ist, dass viele Risiken fast ohne Kontrolle eingegangen werden.

Immer noch ist die Tiefsee weitgehend unbekannt und weniger erforscht als der Mond. Gerade einmal ein Prozent kennen wir, der Rest ist mare in-cognita – und ein wahres Dorado für moderne Schatzsucher. Hier leben Arten, die bereits bedroht sind, bevor wir ihnen einen Namen geben konnten.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.