Ausgabe November 2010

Die Plünderung der Tiefsee

Wahrscheinlich werden wir uns hier in Europa erst wieder bei den Jahresrückblicken daran erinnern, was in diesem Jahr im Golf von Mexiko passiert ist. Ohne die Kameras am Meeresgrund, die erst nach einer Anweisung des US-Kongresses angeschaltet wurden, wäre das Desaster von uns, die wir nicht betroffen sind, womöglich schon nach wenigen Tagen vergessen gewesen. Denn wieso sollte es im Falle der „Deepwater Horizon“ anders sein als im Niger-Delta, wo jährlich etwa so viel Öl austritt, wie die Exxon Valdez einst verloren hat – und dies bereits seit nunmehr 50 Jahren. Die Kameras im Golf von Mexiko haben uns vor Augen geführt, was wir gerne igorieren: Unsere Abhängigkeit vom Erdöl hat die Gefahren, die bei der Förderung eingegangen werden, ins Unermessliche steigen lassen – Ölförderung ist zur Hochrisikotechnologie geworden. Umso erschreckender ist, dass viele Risiken fast ohne Kontrolle eingegangen werden.

Immer noch ist die Tiefsee weitgehend unbekannt und weniger erforscht als der Mond. Gerade einmal ein Prozent kennen wir, der Rest ist mare in-cognita – und ein wahres Dorado für moderne Schatzsucher. Hier leben Arten, die bereits bedroht sind, bevor wir ihnen einen Namen geben konnten.

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