Ausgabe Oktober 2010

Hexenverbrennung

Die Inquisition herrscht in Deutschland. Da ist ein Mann, der sagt einfach nur seine Meinung. Wie unsereiner auch, wenn wir am Stammtisch über Hitlers Autobahnen reden und darüber, dass wir den Krieg beinah gewonnen hätten. Da ist ein mutiger Aussprecher von Wahrheiten. Und was passiert? Man macht ihn mundtot!

Gut, es gab kaum eine Zeitung, die nicht über ihn und seine Meinung berichtet hätte. Aber ihm wurde manchmal auch widersprochen. Schön, er hatte diese oder jene Talk-Show. Bei „Beckmann“ schauten ihm mehr als zwei Millionen zu, bei „Hart aber fair“ waren es schon mehr als vier Millionen. Aber hat er schon das „Heute Journal“ oder die „Tagesschau“ moderieren können? Na, bitte.
Man muss es doch mal offen sagen dürfen: Spätestens wenn der Mann nicht das Länderspiel Deutschland gegen die Türkei im Oktober kommentieren darf, wenn ihm schon wieder der Mund verboten wird, nur weil er sicher die ständigen Fouls der Türken offen und ehrlich brandmarken würde, spätestens dann kann nur noch von Meinungsterror die Rede sein. Da wird erzählt, die Auflage seines Buches ginge auf 250 000 Exemplare, das sei doch ganz schön. Aber von „Mein Kampf“ sind Millionen verkauft worden. Wo bleibt hier die Gerechtigkeit? Zumal bei „amazon“ schon die ersten Bücher des Bekenners gebraucht angeboten werden: Das war dem Buchhandel damals bei „Mein Kampf“ glatt verboten.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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