Ausgabe Oktober 2010

Kurzgefasst

Lamya Kaddor: Muslima in Sarrazinland

Thilo Sarrazins provozierende Thesen zur geringen Intelligenz und mangelnden Integration muslimischer Einwanderer haben ein gewaltiges ge-sellschaftliches Echo hervorgerufen. Die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor kritisiert die massive Stereotypisierung des Islam und der Muslime durch Sarrazin und andere selbst ernannte Islamkritiker. Sie fordert, endlich die pauschale Rede über „die Muslime“ zu beenden und stattdessen eine differenzierte Sicht des Lebens deutscher Muslime zu entwickeln.

 

Oliver Schmidtke: Einwanderer als Ware. Wie die Marktlogik Migranten aussortiert

Im dominanten und (vermeintlich) progressiven Verständnis wird Einwanderung vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer Nützlichkeit für die Aufnahmegesellschaft interpretiert. Das aber hat gesellschaftliche Folgekosten. Oliver Schmidtke, Professor für Politikwissenschaft an der University of Victoria in Kanada, zeigt am kanadischen und bundesdeutschen Beispiel, wie eine ökonomisch legitimierte Migrationspolitik zur Grundlage sozialer Exklusion und populistischer Ressentiments werden kann.

 

Otto Köhler: Der Amoklauf der Erika Steinbach.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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