Ausgabe April 2011

Europas Jugend: Abstieg und Wut

Nicht nur in Arabien, auch in Griechenland gehen tausende Jugendliche auf die Straßen. Aus gutem Grund: Ein schweres Erbe der globalen Wirtschaftskrise könnte eine „verlorene Generation“ ohne Anbindung an den Arbeitsmarkt sein, warnte die Internationale Arbeitsorganisation bereits im vergangenen Jahr.[1] Während junge Menschen unter 25 Jahren weltweit schon vor der Krise drei Mal so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen waren wie der Durchschnitt der Bevölkerung, sind die Zahlen seitdem geradezu explodiert. Allein zwischen 2007 und 2009 nahm die Anzahl der erwerbslosen Jugendlichen global um fast acht Millionen Menschen zu.

Europa macht da keine Ausnahme: Nach aktuellen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist jeder fünfte Jugendliche in der EU arbeitslos.[2] In der Gesamtbevölkerung gilt dies immerhin noch für jeden Zehnten. Hinzu kommt, dass junge Menschen erheblich häufiger zu den working poor, den arbeitenden Armen, gehören als Erwachsene.

Neben den jungen Menschen in Osteuropa sind ihre Altersgenossen in den sogenannten PIIGS-Staaten besonders hart betroffen: Spanien hält derzeit den unrühmlichen europäischen Rekord mit einer offiziellen Jugendarbeitslosigkeit von gut 43 Prozent; Griechenland verzeichnet über 33 Prozent, Irland und Italien jeweils um die 29 und Portugal über 21 Prozent.

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