Ausgabe August 2011

Auf der Suche nach dem Gemeinsamen

Überlegungen zur Zukunft der pluralen Linken

Wir schreiben das Jahr Zwei nach dem Höhepunkt der schwersten globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Von einer „Zeitenwende“ war die Rede angesichts des offenkundigen Versagens der Ideologie des ungezügelten Marktes, die der politischen Linken das Leben seit rund 40 Jahren schwer gemacht hat. Lange diskreditierte Argumente wurden wieder gehört. Das hegemoniale Pendel, so hofften viele, sollte nun wieder in die andere Richtung schlagen.

Tatsächlich können derartige Einschnitte, so lehrt uns die Wirtschaftsgeschichte, dazu führen, dass wirtschaftsliberale Phasen von sozial regulierten Phasen abgelöst werden – und umgekehrt. Die berühmte, von Karl Polanyi beschriebene „Doppelbewegung“[1] aus kapitalistischer Vereinnahmung einerseits und einer Gegenbewegung zum Schutz der Gesellschaft vor den Folgen des Marktes andererseits kennzeichnet den Kapitalismus seit jeher. Darum bestand vor zwei Jahren auch eine berechtigte Hoffnung auf eine Gegenbewegung.

Doch die letzten Jahre haben auch gezeigt: Dies ist weder ein Automatismus, noch bewegt sich das Pendel in ein diskursfreies Vakuum. Welchen Charakter diese Gegenbewegung annimmt, hängt von den sozialen Kräften und politischen Diskursen ab, wie auch ein Blick in die Geschichte zeigt.
Die globale Krise in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war Ausgangspunkt unterschiedlichster Gegenbewegungen.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema