Ausgabe September 2011

Multikulti: Vom Schmuse- zum Schimpfwort

Der Massenmord von Norwegen hat die Debatte um die Zukunft der multikulturellen Gesellschaft unausweichlich in den Fokus der Aufmerksamkeit zurückgeholt. Der Hass des Attentäters Anders Behring Breivik richtete sich vor allem gegen einen von ihm so verachteten wie gefürchteten „Multikulturalismus“ und seine „kulturmarxistischen“ sozialdemokratischen Helfershelfer.

Umso wichtiger wird jetzt „Multikultur 2.0“, der aktuelle Sammelband von Susanne Stemmler, Leiterin der Abteilung Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft im Berliner Haus der Kulturen der Welt. 36 Beiträge vermitteln auf 336 Seiten kritisch, anregend und vielstimmig die Lage der „Multikultur“ im Jahr 2011. Das Buch, quasi ein „multikulturelles Update“ für Theorie und Praxis, macht klar, dass es keine einfachen Lösungen für die Herausforderungen moderner Gesellschaften geben wird, dass die real existierende Vielfalt widersprüchlich ist und der Dialog konfliktreich.

Rund drei Prozent der Weltbevölkerung, etwa 192 Millionen Menschen, sind heute Migrantinnen und Migranten. Allein die Zahl belegt, dass Migration kein zu vernachlässigendes Nebenprodukt sozio-ökonomischer Umbrüche darstellt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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