Ausgabe September 2011

Multikulti: Vom Schmuse- zum Schimpfwort

Der Massenmord von Norwegen hat die Debatte um die Zukunft der multikulturellen Gesellschaft unausweichlich in den Fokus der Aufmerksamkeit zurückgeholt. Der Hass des Attentäters Anders Behring Breivik richtete sich vor allem gegen einen von ihm so verachteten wie gefürchteten „Multikulturalismus“ und seine „kulturmarxistischen“ sozialdemokratischen Helfershelfer.

Umso wichtiger wird jetzt „Multikultur 2.0“, der aktuelle Sammelband von Susanne Stemmler, Leiterin der Abteilung Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft im Berliner Haus der Kulturen der Welt. 36 Beiträge vermitteln auf 336 Seiten kritisch, anregend und vielstimmig die Lage der „Multikultur“ im Jahr 2011. Das Buch, quasi ein „multikulturelles Update“ für Theorie und Praxis, macht klar, dass es keine einfachen Lösungen für die Herausforderungen moderner Gesellschaften geben wird, dass die real existierende Vielfalt widersprüchlich ist und der Dialog konfliktreich.

Rund drei Prozent der Weltbevölkerung, etwa 192 Millionen Menschen, sind heute Migrantinnen und Migranten. Allein die Zahl belegt, dass Migration kein zu vernachlässigendes Nebenprodukt sozio-ökonomischer Umbrüche darstellt.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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