Ausgabe August 2012

Sommerpause

Sommerpause. Endlich. Der Bundestag und auch sein Verfassungsschutz-Ausschuss sind gute zwei Monate geschlossen. Das wird auch den deutschen Medien helfen. Die lange eingelegten sauren Gurken werden rausgeholt. Kein Rechtsradikalismus nirgendwo. Außer: Hitler wäre in Argentinien aufgetaucht. Ja, das wäre was. Eine Sensation, wie damals, als in Rostock-Lichtenhagen der von Rechtsradikalen angeführte Mob ein Asylbewerberheim mit Molotowcocktails angriff: Da wusste die „Bild“-Zeitung gleich: „Stasi steuert Rostock-Chaoten!“ Das hatte die Zeitung von Helmut Kohl gehört, der hatte das tatsächlich gesagt.

Irgendwann verlor sich dann leider die sensationelle Stasi-Spur, aber der Osten, der blieb immer im Fokus medialer Inszenierungen. Man sollte die Brandanschläge und Morde von Mölln und Solingen, die zwar im Westen stattfanden und ebenfalls rassistisch motiviert waren, als Ausreißer begreifen. So sah das auch der Verfassungsschutz, der in dieser Zeit sehr, sehr stark mit diesen gefährlichen linken Steinewerfern beschäftigt war. Völlig unabhängig von den Dumpfbacken im Osten, die immer häufiger NPD wählten und die „Zone“ in den „National befreiten Zonen“ wieder aufleben ließen, wurde die „Ausländerfrage“ im Westen natürlich ganz anders behandelt.

Sie haben etwa 17% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 83% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.