Ausgabe Dezember 2012

Ein universeller Grenzgänger

Ja, es gibt sie noch, die wohltuend undogmatische, weder ins Opportunistische noch ins Gegenteilige gewendete, so kritisch wie selbstkritisch gebliebene, an Realität geschulte und von Utopie beflügelte Linke. Für sie steht der Name Ekkehart Krippendorff.

Der deutsche Professor, der lebenslang seinen Wurzeln im Halberstädtischen Nachkriegsdeutschland nachspürt, blieb für viele immer ein Außenseiter: Für die Politischen ist er der 68er, für die Rechten der Linke, für die Konservativen der Antiamerikanist. Nun ist Ekkehart Krippendorff in einer Autobiographie seinem Leben selbst nachgegangen. Er spricht es mit entwaffnender Offenheit aus: „Niemandem ist seine postmortale Existenz wirklich gleichgültig.“ Daher möchte er sich selbst und den Nachgeborenen die Zeit erklären, in der sich alles Glück und Unglück abgespielt hat, „nicht im Sinne prätendierter Wichtigtuerei, sondern im Sinne menschenrechtlich begründeter Würde“. Das ist ihm fulminant gelungen.

Krippendorff reflektiert sein Leben anhand von zehn unterschiedlichen, nebeneinanderliegenden, auch ineinander verschränkten Lebensfäden. Unter den Stichworten Krieg, Theater, Universitäten, Nationalismus, Amerika, Juden, Italien, DDR, Musik, Religion hat er seine Lebensfäden verwoben, sich aber nicht darin verstrickt.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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