Ausgabe Juli 2012

Mexikanisches Machtkartell

Die mexikanischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 1. Juli kommen keinen Tag zu früh: Im Land hat sich ob der Zunahme von Armut, Gewalt und ungeahndeter Kriminalität eine Frustration angestaut, die dringend eines Ventils bedarf. Dass es ein solches gibt, dass sich die Wähler zwischen vier Präsidentschaftskandidaten und sieben Parteien frei entscheiden können und am geordneten Übergang von den amtierenden zu den neuen Amtsträgern kaum ein Zweifel besteht, ist keine Selbstverständlichkeit. Wie in den meisten anderen Ländern Lateinamerikas ist die Demokratie in Mexiko eine junge Errungenschaft. Dennoch stellt sich die bange Frage, ob die bevorstehenden Wahlen den Druck im mexikanischen Kochtopf tatsächlich zu senken vermögen oder ob sie ihn nicht gar noch weiter erhöhen.

Empörte Bürger und diskreditierte Parteien

Für die Ventilwirkung der Wahlen spricht, dass die konservative Partei der Nationalen Aktion (PAN) nach zwölf Jahren die Regierungsverantwortung wird abgeben müssen. Ihre Präsidentschaftskandidatin, Josefina Vázquez Mota, liegt in allen Umfragen weit zurück. Der absehbare Machtwechsel nährt die Hoffnung auf eine Veränderung des katastrophalen Status quo, denn für manche Mexikaner kann eine Veränderung nur gleichbedeutend sein mit einer Verbesserung.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.