Ausgabe Mai 2012

Netz ohne Vertrauen: Die neue Mega-Öffentlichkeit

Bild: iStockPhoto

Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, geht in diesem Monat an die Börse, und die Erwartungen sind hoch: Der Konzern, der über die Nutzerprofile von rund 850 Millionen Menschen verfügt, hofft, die Rekordsumme von mehr als fünf Mrd. US-Dollar zu erzielen. Damit würde der Wert des Unternehmens auf über 100 Mrd. US-Dollar ansteigen.

Doch nicht nur auf dem Börsenparkett bricht der Internetriese alle Rekorde. Täglich tauschen Facebook-Nutzer untereinander mehr als 250 Mio. Fotos und über 500 Mio. Nachrichten aus. Der weltweite Erfolg des sozialen Netzwerks hat somit auch unsere Kommunikationsgewohnheiten grundlegend verändert – und zugleich die Trennlinie zwischen privatem und öffentlichem Raum verschoben. Letztlich stellt sich damit die Frage, ob die Unterscheidung zwischen privat und öffentlich im „digitalen Zeitalter“ überhaupt noch Bestand haben kann.

Privatheit vs. Öffentlichkeit

Privatheit und Öffentlichkeit sind zwei Begriffe, die wir derzeit noch ohne Zögern verwenden und deren Konzepte uns im Alltag geläufig zu sein scheinen: Was wir zu Hause tun, ist privat, und was wir öffentlich tun, findet auf der Straße oder dem Marktplatz statt. Schon die Griechen unterschieden vom privaten Gehöft (Oikos) die Agora, auf der man sich versammelte und auf der Institutionen angesiedelt waren, die der Allgemeinheit dienten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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