Ausgabe November 2012

Die neue Bildungskatastrophe

Zur Lage der Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen

Auch in diesem Jahr werden viele Studierende und Lehrende eher seufzend in das Wintersemester gestartet sein: Seit Jahren steht an den Universitäten eine rapide steigende Zahl Studierender einer sinkenden Anzahl von Dozentinnen und Dozenten gegenüber. Die Folge sind überfüllte Hörsäle und eine schlechte Betreuung der Studierenden, obwohl gerade letztere im Zuge der Bachelor-Reform eigentlich verbessert werden sollte.

Der Grund dafür ist die massive Unterfinanzierung der großen Mehrzahl der deutschen Universitäten, was sich vor allem in einer zu geringen Anzahl an Hochschullehrerinnen und -lehrern niederschlägt: „In absurder Art und Weise wird seit dem Ausbau zur Massenuniversität geleugnet, dass Wissenschaft ein Beruf ist“, beschreibt der Germanist Remigius Bunia die fatale Situation.[1] Das zentrale Problem der deutschen Universitäten besteht in der mangelhaften Anerkennung der Lehre. Tatsächlich wurde die Anzahl der Professoren und Lehrenden nicht im Entferntesten dem neuen Bedarf entsprechend angehoben, seit die Universitäten in den 1970er Jahren zu „Volksuniversitäten“ umstrukturiert worden sind. Im Gegenteil: Seit Mitte der 1990er Jahre baute man Personal ab. Nichtsdestotrotz empfehlen Politik und Wissenschaftsrat ungerührt, dass sich die Universitäten mit Nachwuchsförderprogrammen ein besonderes Profil erarbeiten sollen.

November 2012

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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