Ausgabe November 2012

Nach Saakaschwili: Neustart in Georgien?

Die Wahlen zum georgischen Parlament am 1. Oktober endeten mit einem Paukenschlag. Nach fast zehnjähriger Herrschaft muss die Vereinte Nationale Bewegung(UNM) von Präsident Michail Saakaschwili dem Georgischen Traum (GD) weichen, einer wild zusammengewürfelten Koalition unter Führung des Multimilliardärs Bidsina Iwanischwili. Erstaunlich ist vor allem, wie deutlich das Ergebnis ausfiel: Mit 40,3 Prozent liegt die UNM weit hinter der GD, die fast 55 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass der zuletzt als Autokrat verschriene Präsident die Niederlage seiner Partei ungewöhnlich schnell eingestand. Dabei stellt die Wahl die seit fast einer Dekade herrschenden politischen Verhältnisse im Land völlig auf den Kopf.

Das System Saakaschwili

Michail Saakaschwili war, damals erst 36jährig, im Zuge der sogenannten Rosenrevolution im Januar 2004 an die Macht gekommen und hatte die Regierung des letzten sowjetischen Außenministers Eduard Schewardnadse abgelöst. Damit endete eine lange Phase der Stagnation, die von Korruption, Misswirtschaft und dem Zerfall staatlicher Strukturen geprägt war und die Beobachter bereits von einem failed state sprechen ließ.

November 2012

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Kampfplatz Berlin: Die dämonisierte Linkskoalition als Türöffner für die AfD

von Albrecht von Lucke

Wahrscheinlich wird es für immer ein Geheimnis bleiben, was am Abend der Berlin-Wahl am 20. September Issa Remmo, Clan-Chef und zentrale Größe der organisierten Kriminalität in Berlin, veranlasste, auf der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei aufzulaufen.

Hochglanz und Unterdrückung: Das neue Ägypten

von Hannah El-Hitami

Wer heute in Downtown Kairo unterwegs ist, bewegt sich durch eine Welt voller Kontraste. Eine junge, internationale und kreative Szene breitet sich hier in einem staubig-chaotischen Stadtteil aus, der sonst eher von Traditionsbetrieben und Straßenmärkten mit lokalen Produkten geprägt ist.

Sahel: Falsche Hoffnung in Putschisten

von Roger Peltzer

In der Juni-Ausgabe analysierte Olaf Bernau die Entwicklungen in den drei von Militärjuntas regierten Sahelstaaten Burkina Faso, Mali und Niger als einen in der westlichen Öffentlichkeit verkannten tiefgreifenden Umbruch in der Region, getragen von einer Politik der Hoffnung. Roger Peltzer sieht darin eine gefährliche Rechtfertigung antidemokratischer Regierungen.