Ausgabe September 2012

Euroland bald abgebrannt?

Die Währungsunion am Scheideweg

Die tiefgreifende Systemkrise der am Neujahrsmorgen 1999 gestarteten europäischen Währungsunion ist heute unübersehbar, tagtäglich werden die Wetten auf den Absturz des Euro erneuert. Auch Deutschland, das sich noch immer auf einer „Insel der Glückseligen“ wähnt, kann sich dieser Systemkrise nicht mehr entziehen. Nachdem die Bundesrepublik über Jahre mittels innerer Abwertung (durch zurückhaltende Lohnpolitik und die Deregulierung der Arbeitsmärkte) profitable Außenhandelsüberschüsse erzielt hat, schlägt die dadurch erzeugte Verschuldenskrise der Nachbarstaaten nun auf den Krisen(mit)verursacher zurück. Diese negative Rückkopplung wird durch die den Krisenländern oktroyierte Austeritätspolitik zusätzlich verstärkt.

Kurz vor dem Abgrund stellt sich heute nur noch eine Alternative: Entweder erfolgt der mutige Abschied vom Gründungsirrglauben, wonach die Währungsunion aus sich heraus genügend realwirtschaftliche Konvergenz erzeugt. Oder man wählt die Exitoption, die ihrerseits mehrere Varianten zulässt. Erstens: Die heutige Gemeinschaftswährung löst sich in nationale Währungen auf, für die eigene Wechselkurse notiert werden. Eine zweite Variante wäre ein Hartwährungskern mit dem Epizentrum Deutschland.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema