Ausgabe September 2012

Euroland bald abgebrannt?

Die Währungsunion am Scheideweg

Die tiefgreifende Systemkrise der am Neujahrsmorgen 1999 gestarteten europäischen Währungsunion ist heute unübersehbar, tagtäglich werden die Wetten auf den Absturz des Euro erneuert. Auch Deutschland, das sich noch immer auf einer „Insel der Glückseligen“ wähnt, kann sich dieser Systemkrise nicht mehr entziehen. Nachdem die Bundesrepublik über Jahre mittels innerer Abwertung (durch zurückhaltende Lohnpolitik und die Deregulierung der Arbeitsmärkte) profitable Außenhandelsüberschüsse erzielt hat, schlägt die dadurch erzeugte Verschuldenskrise der Nachbarstaaten nun auf den Krisen(mit)verursacher zurück. Diese negative Rückkopplung wird durch die den Krisenländern oktroyierte Austeritätspolitik zusätzlich verstärkt.

Kurz vor dem Abgrund stellt sich heute nur noch eine Alternative: Entweder erfolgt der mutige Abschied vom Gründungsirrglauben, wonach die Währungsunion aus sich heraus genügend realwirtschaftliche Konvergenz erzeugt. Oder man wählt die Exitoption, die ihrerseits mehrere Varianten zulässt. Erstens: Die heutige Gemeinschaftswährung löst sich in nationale Währungen auf, für die eigene Wechselkurse notiert werden. Eine zweite Variante wäre ein Hartwährungskern mit dem Epizentrum Deutschland.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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