Ausgabe September 2012

Politikwechsel in Polderland?

Am 12. September wird ganz Europa auf das Orakel von Karlsruhe starren. Nur die Niederländer werden abgelenkt sein, denn sie müssen am gleichen Tag ein neues Parlament wählen. Mit diesem Wahlgang können sie die europäische Politik auf paradoxe Weise verschieben, nämlich indem sie eine Formation linker Europaskeptiker an die Macht bringen.

Selbst die nüchternen, sparsamen Niederländer haben langsam genug von der endlosen Folge immer neuer und immer gleicher Sparrunden. Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren, seit dem legendären Kabinett unter Joop den Uyl in den 70er Jahren, könnten die Niederlande wieder von einer linken Parteienkoalition regiert werden.

Allerdings diesmal nicht mit einem Sozialdemokraten als Premier. Ein Mann namens Emile Roemer, den in Deutschland kaum jemand kennt, könnte der erste sozialistische Regierungschef des Königsreichs werden. François Hollande dürfte das gefallen, jedenfalls solange er noch keine nähere Bekanntschaft mit dem neuen Bundesgenossen in Den Haag gemacht hat. Angela Merkel dagegen verliert, wenn es denn so kommt, einen der treuesten Verbündeten im Kampf um die Durchsetzung ihrer Euro-Krisenpolitik.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema