Zum ersten Mal, seitdem der Eurobarometer die Gefühlslage in der Gemeinschaft misst, spricht sich eine klare Mehrheit der Befragten gegen die Aufnahme weiterer Staaten in die Europäische Union aus. In diesem Frühjahr lehnten 53 Prozent eine Erweiterung der EU ab. Am negativsten war die Einstellung in Deutschland: Nur 20 Prozent würden die Aufnahme neuer Staaten in die EU begrüßen. In Zeiten, in denen einigen Mitgliedsländern der Staatsbankrott droht und das Ansehen der Europäischen Union in der Bevölkerung sinkt, ist die Angst in der EU groß, sich weitere „Problemfälle“ aufzubürden. Dabei hätten gerade die Westbalkanländer und insbesondere Serbien, der größte und politisch wichtigste Staat unter ihnen, ausländische Hilfe dringend nötig, denn die Wirtschaftskrise hat die Region fest im Griff. Serbien hat im letzten Vierteljahrhundert nur kurze Abschnitte ohne ökonomische Krise, politische Konfrontationen oder gar gewaltsame Konflikte erlebt. Für den überwiegenden Teil der 7,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger des Landes geht es seit Langem nur noch ums nackte Überleben: Vier Fünftel empfinden laut jüngeren Meinungsumfragen Unzufriedenheit, Wut, Machtlosigkeit, Angst und Resignation.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.