Ausgabe April 2013

Die Blinden und die NPD

Wer kennt es nicht, das berühmte Bild vom „Blindensturz“ von Peter Bruegel dem Älteren: Eine Reihe von Blinden hält sich aneinander fest und stürzt, einer nach dem anderen, blindlings in die Grube. Genau so kommt man sich gegenwärtig in der hysterischen Debatte um ein NPD-Verbot vor.

Die ersten Blinden waren die Innenminister der – vornehmlich sozialdemokratisch regierten – Bundesländer. In aktionistischem Überschuss sprachen sie sich im vergangenen Dezember mit großer Mehrheit im Bundesrat für ein neues Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht aus, völlig ungeachtet der Frage, ob ein solcher Antrag wirklich Aussicht auf Erfolg hat.

Doch ganz egal: Anstatt den Ländern in den Arm zu fallen, warb anschließend der Bundesinnenminister für einen Verbotsantrag der Bundesregierung. Und das mit einer fast schon aberwitzigen Begründung: Obwohl er die Sache sehr kritisch sehe, sei mit dem Antrag der Länder – für den übrigens wie schon 2003 die Daten des Verfassungsschutzes maßgeblich waren – nun die Bühne eröffnet und deshalb Unterstützung geboten. Da trifft es sich gut, dass – ach, wie zufällig – Hans-Peter Friedrichs Parteifreund Horst Seehofer schon lange ein Verbotsverfahren fordert.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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