Ausgabe April 2013

Die Blinden und die NPD

Wer kennt es nicht, das berühmte Bild vom „Blindensturz“ von Peter Bruegel dem Älteren: Eine Reihe von Blinden hält sich aneinander fest und stürzt, einer nach dem anderen, blindlings in die Grube. Genau so kommt man sich gegenwärtig in der hysterischen Debatte um ein NPD-Verbot vor.

Die ersten Blinden waren die Innenminister der – vornehmlich sozialdemokratisch regierten – Bundesländer. In aktionistischem Überschuss sprachen sie sich im vergangenen Dezember mit großer Mehrheit im Bundesrat für ein neues Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht aus, völlig ungeachtet der Frage, ob ein solcher Antrag wirklich Aussicht auf Erfolg hat.

Doch ganz egal: Anstatt den Ländern in den Arm zu fallen, warb anschließend der Bundesinnenminister für einen Verbotsantrag der Bundesregierung. Und das mit einer fast schon aberwitzigen Begründung: Obwohl er die Sache sehr kritisch sehe, sei mit dem Antrag der Länder – für den übrigens wie schon 2003 die Daten des Verfassungsschutzes maßgeblich waren – nun die Bühne eröffnet und deshalb Unterstützung geboten. Da trifft es sich gut, dass – ach, wie zufällig – Hans-Peter Friedrichs Parteifreund Horst Seehofer schon lange ein Verbotsverfahren fordert.

Sie haben etwa 33% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 67% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema