Ausgabe August 2013

»Geld ist ein guter Soldat, mein Herr, und macht sich Bahn«

William Shakespeare und die aktuelle Finanzkrise

Von Joseph von Eichendorff, deutscher Dichter der Romantik und gut zweihundert Jahre nach Shakespeare geboren, stammt ein bekannter Vierzeiler über die verborgene Poesie der Welt. Er ist so schön, dass er auch im „Sommernachtstraum“ stehen könnte: „Schläft ein Lied in allen Dingen / Die da träumen fort und fort / Und die Welt hebt an zu singen / Triffst du nur das Zauberwort.“ Das kleine Gedicht heißt „Wünschelrute“. Das richtige Dichterwort, das Zauberwort – es sucht und findet den Kern der Dinge, es weckt, so glaubt Eichendorff, die Dinge auf; es sprengt die Grenzen, alle Grenzen, es weckt die Welt und öffnet alle Räume, die eben noch verschlossen waren. Das richtige Wort befreit, es entgrenzt, es verzaubert. Es ist die blaue Blume. So haben das die Romantiker gesehen.

Shakespeare, der Sprachzauberer, war kein Romantiker, sondern ein Realist. Seine Wünschelrute war das Geld. Ihm, dem Geld, schreibt er magische Kräfte zu – die Kraft der Verwandlung. Es macht „schwarz weiß, alt jung, feig tapfer, niedrig edel“. Es „führt der abgebrauchten Witwe Freier zu; Ja sie, vor der Spital und Eiterbeulen / Der Ekel packen würd, gewinnt dadurch / Den Maienduft zurück.“ So steht es im „Timon von Athen“, in dem Stück, in dem die unvernünftige Freigebigkeit Timons zum Quell von Unheil wird.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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