Ausgabe August 2013

Öko-Biedermeier vs. ökologische Moderne: Die grüne Revolution

In den letzten Ausgaben der „Blätter“ waren Texte von Harald Welzer sowie von Edward und Robert Skidelsky zu lesen,[1] bei denen ich mich eines gewissen Déjà-vu-Gefühls nicht erwehren konnte. Die Parallelen zu den Anfängen der Öko-Debatte in den 1970er und frühen 80er Jahren liegen auf der Hand: vom Warnruf vor den destruktiven Konsequenzen permanenten Wachstums,[2] der Kritik des Konsumismus als Form der Entfremdung[3] bis zum Aufruf zur Selbstbegrenzung als Gegenmodell zur expansiven Moderne.[4]

Weshalb dieses Revival? Wenn die große Politik nicht willens oder fähig scheint, der globalen Öko-Krise wirksam entgegenzutreten, liegt es nahe, alle Hoffnung auf das moralische Handeln der Bürgerinnen und Bürger sowie das widerständige Potential von Graswurzel-Initiativen zu lenken. Tatsächlich zeigen zentrale Indikatoren eine beschleunigte Erosion der natürlichen Lebensgrundlagen an: Die Treibhausgas-Emissionen steigen von Jahr zu Jahr, der Verlust fruchtbarer Böden nimmt bedrohliche Formen an, Trinkwasser wird in vielen Weltregionen zum knappen Gut, der Raubbau an den Regenwäldern setzt sich fort und die Liste der bedrohten Pflanzen und Tiere wird länger und länger.

Wenn die Furcht vor dem Kollaps wächst, hat Zivilisationskritik Hochkonjunktur.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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