Ausgabe August 2013

Union der Feigheit

Zwölf Stunden saß der bolivianische Präsident Evo Morales im EU-Knast, weil die Vereinigten Staaten glaubten, Edward Snowden befinde sich an Bord seiner Maschine. Gegen jedes Völkerrecht verweigerten europäische Vasallen-Staaten dem Bolivianer den Überflug, durchsuchten Beamte des österreichischen Duodez-Staates kühn dessen Flugzeug nach jenem Mann, der den Europäern die Wahrheit über ihren Rang offenbarte: Objekte der unerträglichen Spitzelei der USA und des mit ihr verbündeten Großbritannien zu sein, dem sie kurz zuvor mal wieder einen Preisnachlass auf die EU-Mitgliedschaft gegeben hatten.

Mit welchem freiwilligen Zwergentum haben wir es hier zu tun? Da ist zunächst Faymann-Werner, der so tapfer seine Grenzbeamten in Morales Flugzeug abkommandierte. Er ist der erste Kanzler der Republik Österreich, gegen den strafrechtlich ermittelt wird – natürlich in einer Medien-Korruptions-Sache. Zur dortigen „Kronen-Zeitung“ schaut die hiesige „Bild“ bewundernd auf: So hinterfotzig wäre sie auch gern.

Es war die spanische Regierung unter Mariano Rajoy, die auf eine Durchsuchung des Flugzeugs gedrängt hatte, sich aber immer noch der Offenlegung der Franco-Verbrechen verweigert. Rajoy selbst begann seine Karriere in spanischen Liegenschaftsämtern, wo der übliche spanische Bauskandal seinen Anfang nahm und kein Ende findet.

Sie haben etwa 37% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 63% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema