Ausgabe Februar 2013

Der arktische Ölrausch

Die rapide Schrumpfung der arktischen Eisdecke stellt heute eine der gravierendsten Naturveränderungen auf dem ganzen Planeten dar, mit schwerwiegenden ökologischen und ökonomischen Folgen. Einerseits verlieren wir mit dem Polareis eines der größten und wichtigsten Ökosysteme der Erde. Andererseits werden die einst sagenhaften Nordost- und Nordwest-Passagen bald Realität. China und Japan rücken Europa und der amerikanischen Ostküste wesentlich näher, Transportkosten und -zeitaufwand auf dem Seeweg werden sich womöglich halbieren.

Vorher schon werden die gewaltigen Vorräte an fossilen Energieträgern und Mineralien, die in der Arktis lagern, weitaus leichter zugänglich sein als heute. Auf dem Festland liefern die Ölfelder Alaskas und Gasfelder im russischen Norden bereits seit vielen Jahren Kohlenwasserstoffe in großen Mengen, doch unter dem nördlichen Eismeer vermutet man noch weit üppigere Reserven. Sie könnten internationalen Energiekonzernen zufolge über sieben Billionen US-Dollar (in heutigen Preisen) wert sein. Rechnet man die zu erwartenden Erdgasmengen mit ein, läge der Wert wahrscheinlich deutlich über zehn Billionen.

Da das nördliche Eismeer großenteils flach und auf Festlandssockeln gelegen ist, wetteifern die Anliegerstaaten derzeit darum, sich exklusive Wirtschaftszonen im Sinne der UN-Seerechtskonvention zu sichern.

Sie haben etwa 20% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 80% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.