Ausgabe Februar 2013

Der Kult um den Colt, 1. Teil

Der große »Gleichmacher« in Amerikas Tradition und Gegenwart

Bild: SteveMcSweeny

Es zählt zu den Grundannahmen der amerikanischen Politik, dass ein demokratischer Staat eine Regierung des Rechts und nicht menschlicher Willkür ist. Von unserem Glauben an dieses Prinzip lebt das bemerkenswert dauerhafte Vertrauen in eine Verfassung, die mittlerweile zu den ältesten, heute noch gültigen ihrer Art auf der Welt gehört. Und dieser Glaube ermöglichte es uns, jedenfalls den größten Teil unserer Geschichte hindurch, den Staat nicht als Bedrohung der Bürgerfreiheiten aufzufassen, sondern als ein vertrauenswürdiges Instrument zur Sicherung und Ausweitung dieser Freiheiten. Es gibt allerdings einen zweiten spezifisch amerikanischen Glaubenssatz, an dem wir ebenso unerschütterlich festhalten – man könnte ihn als „Cowboy Corollary“ oder Cowboy-Nachtrag zur Unabhängigkeitserklärung bezeichnen: „Gott mag die Menschen erschaffen haben, aber es war Samuel Colt, der sie gleich machte.“ Dieselbe Kultur, die die Verfassung als eine Art Heilige Schrift verehrt und sich ihrer Gesetzestreue rühmt, toleriert den privaten Rückgriff auf tödliche Gewalt in einem Grade, wie ihn keine andere industrielle Demokratie duldet. Und sie lebt mit einer Mordrate, die jährlich Todesopfer in einer Größenordnung fordert, wie sie andere Länder nur bei Aufständen oder Guerillakriegen verzeichnen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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