Ausgabe Februar 2013

Kleiner liberaler Katechismus

Noch eine Chance für die FDP

Dass sich die FDP in der Krise befindet, gehört in der bundesrepublikanischen Geschichte fast zum Normalzustand. Doch Totgesagte leben länger, wie der Wahlausgang in Niedersachsen zeigt. Dabei belegt der reine Leihstimmen-Erfolg zugleich die inhaltliche wie strategische Existenzkrise der Partei: durch die Schrumpfung auf einen bloßen Steuersenkungsliberalismus in der Ära Westerwelle und den Verlust ihrer alten Rolle als koalitionäres Zünglein an der Waage, das sie in der Ära Genscher stets gewesen war. Deshalb wird derzeit flehentlich in neue bzw. alte Richtungen gedacht, etwa unter dem Vorzeichen einer Ampel-Koalition an die Erneuerung einer sozialliberalen Positionierung, die sich mit dem Namen des früh verstorbenen Vordenkers Karl-Hermann Flach verbindet, des Schöpfers der legendären Freiburger Thesen von 1971. Wie meilenweit allerdings der aktuelle Brüderle-Rösler-Liberalismus (der Brot-und-Butter-Themen) von jenem Karl-Hermann Flachs entfernt ist, belegt dessen folgender Grundsatztext. – D. Red.

Darüber, was Liberalismus eigentlich bedeutet, gibt es Streit selbst unter Liberalen, unter den vielen Konservativen, die sich aus Tradition liberal nennen, und unter jungen Linken, die nicht wissen, dass sie enttäuschte Liberale sind. Dabei ist die Antwort ziemlich einfach.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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