Ausgabe Februar 2013

Weltmacht an der Klippe

Zum Jahreswechsel erlebten die USA ein Polittheater sondergleichen – und unter besonders dramatischen Vorzeichen. Die einzig verbliebene Weltmacht, die noch immer größte Volkswirtschaft, drohte an der Fiskalklippe zu scheitern. Alle Welt, die Märkte, die Regierungen und die Medien, hatten Washington starr im Blick; alles raunte über die drohende Mega-Katastrophe. Doch der angekündigte Weltuntergang wurde um 5 nach 12 abgeblasen, fürs erste jedenfalls.

Zwei Tage, nachdem die Frist abgelaufen war, einigten sich die verfeindeten Parteien im tief gespaltenen Kongress auf eine Kompromissformel, den American Tax Payer Relief Act of 2012, um sich sogleich für den nächsten Waffengang zu rüsten. Selbst hochrangige Republikaner – wie Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey – werfen der eigenen Partei Versagen und kaltschnäuzige Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen der einfachen Bürgerinnen und Bürger vor.

Tatsächlich glauben laut Umfragen inzwischen nur noch weniger als elf Prozent der Amerikaner, dass im Kongress noch ernsthafte Arbeit für das Land und seine Bürger geleistet werde. Der politische Flurschaden ist enorm; auch die neu gewählten Senatoren und Abgeordneten des 113. Kongresses, der kurz nach dem famosen Kompromiss zusammentrat, werden ihn so rasch nicht bereinigen können.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

US-Midterms: Das Comeback der Demokraten?

von Thomas Greven

Ein »goldenes Zeitalter« hatte Donald Trump den Amerikanern im Wahlkampf 2024 versprochen. Doch angesichts steigender Lebenshaltungskosten durch seine umstrittene Zollpolitik und einen weithin abgelehnten Irankrieg verfängt die für ihn typische Realitätsverweigerung nicht mehr.

Das amerikanische Beben und die unfriedliche Welt

von Claus Leggewie, Christina Morina, Tamara Tischendorf

Über die Zukunft der US-Demokratie vor den Midterms und die Herausforderungen für ein demokratisches Europa in einer unfriedlichen Welt debattieren der Politikwissenschaftler Claus Leggewie und die Historikerin Christina Morina.

25 Jahre Nine Eleven

von Ronald Ofteringer

25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem von den USA ausgerufenen »War on Terror« sind dschihadistische Gruppen Teil eines expandierenden Konfliktgeschehens, während das Instrumentarium des Antiterrorkriegs weiter Anwendung findet, auch über die Terrorbekämpfung hinaus – als Bestandteil einer neuen globalen Sicherheitskultur des »Rechts des Stärkeren«.