Ausgabe Januar 2013

Was wäre eine gute Religion?

Pluralistisches Glaubensverständnis und säkularer Staat

Die gesellschaftliche und parlamentarische Debatte über die straffreie Zulassung religiös motivierter Beschneidungen männlicher Babys oder von Knaben hat der deutschen Gesellschaft eine neue Runde im ewigen Diskurs über die Rolle und Bedeutung von Religion im öffentlichen Raum beschert. Das jüngste Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur Streikberechtigung von Mitarbeitern von Diakonie und Caritas sowie die nach wie vor bestehende Ablehnung des Islam durch mehr als 70 Prozent der deutschen Bevölkerung, wie sie soeben vom Allensbacher Institut für Meinungsforschung festgestellt wurde, runden das Bild ebenso ab wie der Umstand, dass die Basis der Grünen nun eine hohe kirchliche Funktionsträgerin zur Spitzenkandidatin für die nächsten Bundestagswahlen gekürt hat.

Es scheint bei alledem, als sei sich die deutsche Gesellschaft unschlüssig, welche Rolle sie den Religionen zubilligen will. Während einerseits die Austritte aus beiden Kirchen seit Jahren anhalten, sind Theologie und Religion so häufig Thema öffentlicher Auseinandersetzung, wie nie zuvor.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.