Ausgabe Juni 2013

Genauer lesen: Wo der Antisemitismus wirklich steckt

In den Mai-„Blättern“ warf der Soziologe Michal Bodemann dem Deutschen Bundestag partielle Blindheit im Kampf gegen den Antisemitismus vor – und zwar infolge einer fehlerhaften Expertenstudie. Dem widerspricht entschieden der an dem Bericht beteiligte Politikwissenschaftler und Soziologe Armin Pfahl-Traughber. 

Am 6. Mai hat der Prozess gegen Beate Zschäpe nun endlich begonnen. Dabei geht es um die Beteiligung an Morden und Sprengstoffanschlägen, die sich meist gegen türkischstämmige Menschen richteten. Angesichts der besonderen Brutalität der Taten geriet eines aus dem Blickfeld: Am Beginn der terroristischen Karrieren der NSU-Mitglieder standen auch antisemitisch motivierte Aktionen. So hängte Uwe Böhnhardt einen Puppentorso mit einem Judenstern an eine Autobahnbrücke. Und nach dem Abtauchen in den Untergrund stellten er und Uwe Mundlos das Brettspiel „Pogromly“ her. Dabei machten sie sich in ähnlich menschenverachtender und zynischer Weise wie in dem späteren „Paulchen- Panther“-Video über die Ermordung von Juden lustig. Beide Fälle zeigen exemplarisch, dass Neonazis als die besonders ausgeprägten Akteure des manifesten Antisemitismus gelten müssen. In keiner anderen Gruppe ist der Hass auf die Juden so deutlich präsent und geht mit einer derart offenen Gewaltbereitschaft bis zur erklärten Vernichtungsabsicht einher.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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