Ausgabe März 2013

Angriff auf das Kindergeld

Bild: nekousa / photocase.com

Als der russische Mediziner Iwan Petrowitsch Pawlow Anfang des letzten Jahrhunderts sein berühmtestes Experiment der Öffentlichkeit vorstellte, ahnte niemand, dass man seine Erkenntnisse gut hundert Jahre später auch auf die deutsche Presselandschaft würde anwenden können. Man nehme dafür: Einen großen Eurobetrag, möglichst im zwölfstelligen Bereich, der angeblich für Sozialleistungen ausgegeben wird und behaupte, dass die Ausgaben sinnlos wären. Dann klingle man. Ganz egal, ob die Information stimmt oder nicht, die mediale Reaktion ist gewiss und immer dieselbe; von den sogenannten Leitmedien bis hin zum Pusemuckeler Landboten setzt der Speichelfluss ein. Es ist die Rede von „Almosen“ über „Geldsegen“ und „Wohltaten“ bis hin zur unvermeidbaren „Gießkanne“, mit der angeblich das ganze Land beglückt wird.

Jüngst zu besichtigen war dieses Schauspiel Anfang Februar, als der „Spiegel“ unter Berufung auf ein bis heute nicht bekanntes Konvolut von unbekannten „Experten“ die deutsche Familienpolitik rundweg als „200-Milliarden-Irrtum“ bezeichnete und fast sämtliche Medien sich diesem Urteil anschlossen.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Politik des Misstrauens: Die schwarz-rote Kurzsichtigkeit

von Annett Mängel

Es sollte der Durchbruch werden, mit dem die schwarz-rote Bundesregierung vor den so wichtigen Herbstwahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ihre Tat- und Schaffenskraft demonstrieren wollte: Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder stellten am 2. Juli ein 34 Punkte umfassendes Reformpaket vor.

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.