Ausgabe März 2013

Die größten Storys des 20. Jahrhunderts

Wenn heute unter Eingeweihten von Tony Judt die Rede ist, wird das Bild des großen Historikers, der mit dem Erscheinen seiner Geschichte Europas endgültig aus dem engen Kreis der Fachwissenschaftler ins Rampenlicht einer internationalen Öffentlichkeit getreten war, unweigerlich von seinem tragischen Tod überlagert: Auf dem Höhepunkt seines Schaffens traf ihn die unheilbare Nervenkrankheit ALS und ließ seinen Körper rasant verfallen. Bei klarem Verstand konnte er zuerst die Tür nicht mehr öffnen, dann nicht mehr gehen und am Ende nur noch mit Hilfe technischer Apparate atmen.

Seine geplante – und in seinem Kopf längst existierende – Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts schien für immer verloren. Erst nach seinem Tod wurde nun ein Gesprächsbuch publiziert, das in gewisser Weise sowohl eine Autobiographie als auch Ersatz für das nicht mehr geschriebene Werk ist. Als sachkundiger Helfer erwies sich Timothy Snyder, Autor der eindrucksvollen Geschichtsdarstellung „Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin“. Am 5. Juli 2010 endet das Buch, einen Monat später das Leben des 62jährigen Tony Judt.

„Nachdenken über das 20. Jahrhundert“enthält neun aufschlussreiche Gespräche, beginnend jeweils mit einem autobiographischen Monolog von Tony Judt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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