Ausgabe Mai 2013

Aserbaidschan und der Fluch des Öls

Starke Rivalitäten und wechselnde Bündnisse kennzeichnen den Kaukasus. Und Aserbaidschan als reichstes Land der Region nimmt dabei eine Schlüsselstellung ein. Immer wieder in der Geschichte wurde das Gebiet erobert oder geriet in das Fadenkreuz großer Mächte, von Alexander dem Großen bis heute. Osmanen, Perser und Russen wechselten sich dabei ab.

Besonders alt, nämlich Jahrhunderte, ist die Konkurrenz zwischen Russland und der Türkei. Von den 1820er Jahren bis 1991 schien Russland die Region endgültig für sich gewonnen zu haben. Seitdem jedoch ist der Einfluss der Türkei, die Aserbaidschan als erster Staat anerkannte, gewachsen – bis hin zum Stadtbild. Immer wieder stößt man in Baku, der heutigen Hauptstadt, auf Orte türkischer Herkunft: einen Istanbul-Grill, ein Restaurant Izmir oder einen Taksim-Club. Gleich neben dem Parlament stechen die Minarette einer Moschee spitz in den Himmel – ein Geschenk der Türkei. Dagegen sind die einheimischen Minarette abgerundet wie ein klassischer Leuchtturm – wahrscheinlich eine sinnvolle Konstruktion in der Stadt der schlagenden Winde, wie der Name Baku oft aus dem Persischen hergeleitet wird.[1]

Baku entwickelte sich vom Ort auf der Karawanenroute der legendären Seidenstraße über die Ölstadt, die Ende des 19.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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