Ausgabe Mai 2013

Polnische Mütter, polnische Väter

Bild: ZDF

Wie nett und harmonisch hatte man sich das doch gedacht, auf dem Mainzer Lerchenberg: Pünktlich zum großen 50. Geburtstag des ZDF sollten noch einmal „Unsere Mütter, unsere Väter“, die doch zumeist längst unsere Großmütter und Großväter sind, frank und frei erzählen, wie das so war, im letzten großen Krieg. Und tatsächlich begann eine nationale Debatte über den gleichnamigen Dreiteiler, eine „Event-Produktion“ aus dem Hause Teamworx: „Der Spiegel“ titelte mit „Das ewige Trauma. Der Krieg und die Deutschen“ und in vielen Tageszeitungen schilderten die einstigen Landser freimütig ihre Kriegserlebnisse.
Was auch kein Wunder ist, waren doch alle fünf deutschen Protagonisten des Films große Sympathieträger. Selbst das zynischste Frontschwein, ein desillusionierter Schöngeist, rennt am Ende des Films, und wenige Tage vor Kriegsende, in das Sperrfeuer der Alliierten, um die naiven Hitlerjungen durch sein Opfer zu retten. „Die Welt“ bejubelte denn auch dieses „epochale Ereignis nicht nur der Fernsehgeschichte“: Ein „wahrhaftigeres Denkmal“ könne man unseren Müttern und Vätern nicht setzen. Denn: „Man entwickelt unweigerlich eine tiefe Liebe zu diesen Figuren in ihrer verzweifelten Unzulänglichkeit.

Sie haben etwa 34% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 66% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.