Ausgabe Oktober 2013

Geistige Verwandtschaft: Jean Paul und Georg Büchner

Die beiden großen literarischen Jubilare dieses Jahres – Jean Paul Friedrich Richter und Georg Büchner – scheint auf den ersten Blick mehr als 50 Jahre zu trennen. Hier Jean Paul, Jahrgang 1763, der Autor der kleinen Leute und des großen Herzens, aufgewachsen als Hungerleider in der vogtländischen Provinz in Franken, der das Leben in einer Kleinstadt wie Bayreuth dem in Weimar, der geistigen Hauptstadt seiner Zeit, vorzog. Jean Paul – der wetterfroschzüchtende Kauz, der passionierte Biertrinker, der schwärmerische Spaziergänger und Liebling seiner weiblichen Leser.

Dort Georg Büchner, Jahrgang 1813, der Frühvollendete, der mit dem „Hessischen Landboten“ eine furiose Agitationsschrift verfasste und per Steckbrief gesucht wurde, bevor er sich vom dichtenden Revolutionär zum revolutionären Dichter wandelte.

Hier Jean Paul, der Ungelesene unter den deutschen Dichtergenies. Heute ist er den meisten nur durch seine Aphorismen und Bonmots bekannt, die sich allerdings en masse aus seinem Werk heraussieben lassen. Er ist zeitlebens ein Schreibwütiger, sein Nachlass bewahrt unfassbare 40 000 Manuskriptseiten.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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