Ausgabe Oktober 2013

Riad und Teheran: In der Höhle des Löwen

Mit dem Tango, der schließlich zur Verständigung über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffenbestände führte, haben Moskau und Washington ein diplomatisches Schauspiel erster Güte geliefert. Dessen Analyse dürfte eine ganze Generation Politikwissenschaftler beschäftigen – aber auch die politischen Brezelbäcker! Denn wie bei diplomatischen Erfolgen üblich, beansprucht ein jeder der Darsteller für sich, gesiegt und strategische Vorteile für das eigene Land herausgeholt zu haben. Es ist gerade diese Komplexität der Debatte über Ursachen und Wirkungen, die das Interesse der Brezelbäcker auf sich zieht. An deren handwerklicher Raffinesse scheitern indes rationale Köpfe, die Anfang und Ende der Brezel exakt bestimmen möchten.

Es sind drei wichtige Fragen, die im Hinblick auf die russisch-amerikanische Übereinkunft dringend der Prüfung und möglichst nachvollziehbarer Antworten bedürfen. Die erste richtet sich eher an Gelehrte und Geschichtsforscher, da sie sich wohl nie definitiv wird beantworten lassen: Welchen Anteil hat die amerikanische Drohung, gewaltsam gegen Syrien vorzugehen, an dem Zustandekommen der Übereinkunft? Die Frage hat zwei Seiten und die Antworten auf jede der beiden reflektieren gängige ideologische Positionen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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