Ausgabe Oktober 2013

Vom Dagegen zum Dafür

Fallstricke und Chancen der Ökologiebewegung

Die Grünen haben bei der Bundestagswahl ein schlechtes Wahlergebnis eingefahren: nur die Hälfte der ihnen noch vor einem Jahr prognostizierten Prozente und nur ein gutes Drittel dessen, was sie 2011 bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Bremen tatsächlich geholt haben. Das hat verschiedene Ursachen, auch die, dass sie ihre „historische Mission“, der Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zum Durchbruch zu verhelfen, vernachlässigt und sich stattdessen als dritte linke und stark etatistische Partei in Deutschland positioniert haben. Dabei ist die eigene Herkunft aus bürgerschaftlichem Engagement zunehmend verschwommen. Was nottut, ist die Rückbesinnung auf die eigene Herkunft und eine Neudefinition dessen, was Teilhabe jenseits von Markt und Staat heute bedeutet.

1983 war das Jahr des Einzugs der Grünen in den Bundestag, aber auch ein wichtiges Jahr für die deutsche Ökologie- und Friedensbewegung insgesamt. Der „progressive“, aufgeklärte Bürger protestierte damals sowohl gegen die Volkszählung als auch gegen Atomkraft und das Waldsterben. Und am 22. Oktober 1983 gingen weit mehr als eine Million Bürger gegen die „Nato-Nachrüstung“ auf die Straße. Ja sogar in der DDR, nämlich in Halle an der Saale, entstand mit „Frieden ‘83“ eine Friedens- und Umweltgruppe, die weit über die Region Halle hinaus wirkte.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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