Ausgabe September 2013

Emanzipiertes Papier

Kaum hatten die Nachrichtenticker vermeldet, dass Amazon-Milliardär Jeff Bezos die legendäre „Washington Post“ für lächerliche 255 Mio. US-Dollar gekauft hatte, begann auch schon das große Wehklagen: Was würde Bezos mit der wohl renommiertesten Tageszeitung der USA anstellen? Ausgerechnet jener skrupellose Internet-Tycoon, der sein Vermögen bisher ausschließlich auf Kosten der alten „Holzmedien“ macht und damit Buchhändler und Verleger schier zur Verzweiflung bringt.

Auch die hiesige Verlagswelt zeigte sich tief erschüttert: „Dies ist ein Verlust. Die Figur des Verlegers, der keine anderen wirtschaftlichen Interessen hat als seine eigenen Medien, ist durch nichts zu ersetzen“, jammerte Christoph Keese, der Chef-Lobbyist des Springer-Konzerns.

Welch Krokodilstränen! Dabei hatte Keeses Vorgesetzter, Springer-Chef Mathias Döpfner, nur wenige Tage zuvor eine Handvoll Traditionstitel auf den Markt geworfen, von der gut 100 Jahre alten „Berliner Morgenpost“, einst Flaggschiff des im Dritten Reich enteigneten Ullstein-Imperiums, bis zum „Hamburger Abendblatt“, gegründet 1948 und erstes Baby Axel Caesars.

Es gehe darum, für die Zeitungen „eine langfristige Perspektive zu schaffen“.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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