Ausgabe September 2013

Venedig im Ausverkauf: Von der Serenissima zur Benettown

Den Auftakt zur diesjährigen 70. Film-Biennale in Venedig machte ein 50 Jahre alter, aber noch immer hochaktueller Film – nämlich „Le mani sulla città“ („Hands over the city“), die restaurierte Fassung von Francesco Rosis berühmter Anklage gegen die gnadenlose Verstrickung von Politik und Wirtschaft im Nachkriegs-Neapel. Die Folgen solcher Verstrickung sind auch in Venedig heute offensichtlich. Im Juli ließ die Staatsanwaltschaft 14 führende Unternehmer des Consorzio Venezia Nuova festnehmen, nach Ermittlungen gegen über 100 Verdächtige im ganzen Land. Dieses riesige Firmenkonsortium hat seit rund drei Jahrzehnten die Großprojekte der Stadt fest in seinem Griff. Das Consorzio plant, führt aus, kassiert und hat auch noch die Kontrolle über alles – entgegen jeglichen europäischen Normen.

Sein seit Beginn stark umstrittenes Mammutprojekt zum erhofften Schutz vor steigendem Hochwasser in der Lagune – mit dem vertrauenheischenden Namen MoSE (Experimentelles elektromechanisches Modul) – befindet sich bereits seit 2003 im Bau. Berlusconi höchstpersönlich tat damals medienwirksam den ersten Spatenstich. Gegner halten die Anlage bestenfalls für nutzlos, sofern nicht für schädlich. Doch auch früherer Widerstand gegen MoSE seitens der Stadtregierung unter Bürgermeister Massimo Cacciari verpuffte folgenlos.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Mythos grüne Digitalisierung

von Ingo Dachwitz, Sven Hilbig

Der Klang der Zukunft ist ein leises, elektrisches Dröhnen, das in den Knochen vibriert. Hier im Rechenzentrum herrscht niemals Stille. Es ist erfüllt von einem monotonen Chor mechanischer Flüstertöne.

Eigennutz statt Solidarität

von Klaus Seitz

Etwa eine Milliarde Euro weniger als im vergangenen Jahr steht dem Bundesentwicklungsministerium 2025 zur Verfügung. Doch nicht nur der Spardruck macht der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, auch die strategische Neuausrichtung gefährdet ihre Zukunftsfähigkeit.