Ausgabe September 2013

Verbrauchermacht im Supermarkt?

Die jüngsten Katastrophen in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan, denen mehr als 1500 Menschen – vor allem Frauen – zum Opfer fielen, bilden den traurigen Höhepunkt bisher bekannt gewordener Unglücke in der globalisierten Bekleidungsindustrie. Über die desaströsen Arbeitsbedingungen in diesem Sektor ist in den Medien in den letzten Jahren viel geschrieben worden.[1] Weitaus weniger Beachtung findet indes die Situation im Lebensmittelhandel. Auch zu dessen Sortiment gehören zahlreiche Waren, die in den Ländern des globalen Südens hergestellt werden – ebenfalls unter häufig unmenschlichen Arbeitsbedingungen.

Ein Beispiel hierfür ist die Produktion von Kakao, dem wichtigstem Rohstoff für Schokolade. Sinkende Kakaopreise führten in der Elfenbeinküste, dem größten Lieferanten für den deutschen Markt, in den letzten Jahren zu einer Verarmung der Bauern. Weil sie Erntehelfer nicht mehr bezahlen konnten, griffen die Bauern auf Kinderarbeit zurück: „Einer Studie aus dem Jahr 2009 zufolge arbeiten in der Elfenbeinküste rund 820 000 Kinder in der Kakaobranche [...]. Die Hälfte der befragten Kinder gab an, sich bei der Arbeit in den vorangegangenen zwölf Monaten verletzt zu haben. Dazu gehören offene Wunden, Insektenbisse, Muskel- und Rückenschmerzen.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Verbrecherische Komplizen: Libyen und die EU

von Sigrun Matthiesen, Allison West

Es war ein Tiefpunkt in der Geschichte der Seenotrettung: 20 Minuten lang beschoss am 24. August ein Patrouillenboot der libyschen Küstenwache die Ocean Viking, ein Rettungsschiff der Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée.