Weltgeist auf Papier
Am 14. März 2026 starb im Alter von 96 Jahren der Sozialphilosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas. Tief geprägt vom Kriegsende 1945, stand stets eines im Mittelpunkt seines Wirkens: die Verteidigung der Demokratie.
Am 14. März 2026 starb im Alter von 96 Jahren der Sozialphilosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas. Tief geprägt vom Kriegsende 1945, stand stets eines im Mittelpunkt seines Wirkens: die Verteidigung der Demokratie.
Am Abend des 4. Dezember 1975 erlitt Hannah Arendt im Beisein des befreundeten Paares Jeanette und Salo Baron in ihrer Wohnung in der 12. Etage am Riverside Drive 370 (Manhattan) einen Herzinfarkt. Es heißt, sie habe plötzlich mitten im Gespräch – ihrer Hand entglitt dabei die Zigarette – gehustet, sei ohnmächtig geworden und sofort verstorben. Schon im Jahr zuvor hatte sie einen Infarkt erlitten. Ihr Herz war jedoch bereits 1970 angegriffen, als ihr Mann Heinrich Blücher, mit dem sie dreißig Jahre lang verheiratet war, einem Herzinfarkt erlag.
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas militärische Drohkulisse vor Taiwan – die Herausforderungen durch autoritäre Mächte nehmen zu. Unser Wissen über diese Regime, argumentieren die Historiker Martin Wagner und Sören Urbansky, hält damit jedoch nicht Schritt.
In den USA werden ganze Forschungsinstitute geschlossen und wissenschaftliche Projekte abrupt gestoppt. Doch man muss gar nicht über den Atlantik blicken, um zu sehen, wie Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit konkret aussehen.
Am Morgen des 24. März hängten unbekannte Aktivisten eine Schaufensterpuppe, die die antike römische Göttin Minerva darstellt, am Denkmal des Grafen Uwarow in der Nähe des Hauptgebäudes der Staatlichen Universität St. Petersburg auf. In der Hand der antiken Schutzherrin der Wissenschaften befand sich ein Zettel mit der Aufschrift „Die Wissenschaft ist tot“.
Wer mit Ingeborg Maus sprechen wollte, wurde von ihr meist auf den Abend verwiesen: Bevorzugt nach 20 Uhr ließ sich die Professorin für „Politologie mit dem Schwerpunkt politische Theorie und Ideengeschichte“ an der Frankfurter Goethe-Universität anrufen und klärte dann geduldig und stets zugewandt organisatorische und akademische Fragen, oftmals bis weit in die Nacht. Natürlich musste man erst einmal durchkommen, denn es waren viele, die etwas mit ihr besprechen wollten.
Auch wenn Begriffe wie Biodiversität oder diversity management erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts geprägt wurden und seitdem den politischen Diskurs zur biologischen und sozialen Diversität bis in unsere Gegenwart hinein dominieren, verweist deren Vorgeschichte weit zurück bis ins 18. Jahrhundert – und sie ist unmittelbar mit einem revolutionären Ereignis verbunden.
Im August 2024 hat die Weltgesundheitsorganisation nach dem massiven Ausbruch von Mpox-Viruserkrankungen in mehreren afrikanischen Staaten die höchste Alarmstufe ausgerufen – eine „gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite“.
Beginnen möchte ich mit der Begegnung zweier berühmter Intellektueller, deren Leben sich für eine kurze Zeit in Frankfurt kreuzten und die dann beide ins Exil in die Vereinigten Staaten gingen: Ich meine Theodor W. Adorno und Hannah Arendt. Es gibt mehr Ähnlichkeiten zwischen ihnen, als man auf den ersten Blick meinen möchte.
Eine Anpassung an die neue Klimarealität ist dringend nötig. Das zeigen die Ereignisse der vergangenen Monate: Weihnachtshochwasser vor allem in Niedersachsen, Überschwemmungen im Saarland und Rekordniederschläge in Süddeutschland im Mai
Europa ist zurück im All: Die Trägerrakete »Ariane 6« hat ihren Jungfernflug absolviert. Auch Goldgräberstimmung, Weltuntergangsfantasien und ein bestürzender Irrationalismus ziehen ins Weltall.
Der Begriff Anthropozän beschreibt den tiefgreifenden Einfluss des Menschen auf die Erde und somit Veränderungen von planetarischer Dimension. Trotzdem soll die Entstehung dieses Erdzeitalters bald offiziell an einem konkreten Ort ablesbar sein, nämlich am Grund eines kanadischen Sees.
Da ist zum Beispiel Marlene Beier. Als sie im ersten Coronawinter an Long Covid erkrankt, ist sie 37 Jahre alt – eine sportlich fitte Frau und promovierte Naturwissenschaftlerin, die mitten im Leben steht. Die Langzeitfolgen ereilen sie vor allem in Form von Atembeschwerden und drückendem Kopfschmerz, Konzentrationsproblemen und Wortfindungsstörungen.
Das Bildungssystem in Deutschland ist dramatisch unterfinanziert und ächzt unter Personalmangel. Gerade die Grundschulen wurden jahrelang vernachlässigt – mit verheerenden Folgen.
In unserer Vorstellung ist der Himalaya – das Dach der Welt – der Archetyp eines Hochgebirges: gleißend weiß, fern, ja eine ganz eigene Welt. Die Besteigung der Gipfel ist ein Beweis für die Kühnheit, den Mut und die Tatkraft der Menschheit.
Es ist höchste Zeit für eine Politisierung des Alls. Denn hinter privaten Investitionen in die Raumfahrt steht auch die rechtslibertäre Vision eines Weltalls ohne staatliche Regulierung.
Während wir noch schwitzen im zigsten „heißesten Sommer“ hintereinander und uns auch in Europa auf immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse einstellen müssen, tritt die Klimakrise derzeit deutlich in den Hintergrund – gerade mit Blick auf den kommenden Winter.
Die Angst vor einer lautstarken Minderheit darf für die Ampel-Koalition kein Grund sein, die Debatte um die Impfpflicht einfach auszusitzen.
Familien tragen seit Beginn der Coronakrise einen Großteil der Belastungen – und sehen jetzt einem Herbst und Winter entgegen, dessen Corona-Ausschläge sie neben dem Klinikpersonal wieder am härtesten treffen werden.
Nur selten erlebt ein Autor, wie etwas, das er einmal in einem Buch vertreten hat, fast zwanzig Jahre später Realität wird und dabei alle Prognosen übersteigt. So geschah es mit Immunitas.
Endlich sind prekäre Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft im Fokus der breiteren Öffentlichkeit angekommen. Ausgangspunkt war der von uns Anfang Juni initiierte Twitter-Hashtag #IchBinHanna.
In der Coronakrise hätten sich Gesellschaft und Staat warmlaufen können für die Energiewende und die Transformation zur postfossilen Weltgesellschaft. Doch diese Chance wurde verpasst. Was nun?
Die mit der Geburt des Kapitalismus einsetzende Entfremdung des Menschen von sich selbst wurde zum Ausgangspunkt der planetarischen Krise der Gegenwart – und der Zukunft.
Die moderne Zivilisation hat die natürliche Mitwelt radikal verändert; die alte Erde, die in der bisherigen Menschheitsgeschichte unsere Heimat war, existiert nicht mehr. Deshalb prägten Paul J. Crutzen und der Gewässerforscher Eugene F. Stoermer für unsere Erdepoche den Begriff Anthropozän – die vom Menschen maßgeblich geprägte Entwicklung des Planten.
Ende vergangenen Jahres sorgte ein Zusammenschluss mit dem sperrigen Namen „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ für Aufsehen und eine heftige Debatte. Die Initiative von Leiter*innen einiger der größten deutschen Kulturinstitutionen sowie Museen und Forschungsstellen zu Antisemitismus und jüdischer Geschichte richtet sich gegen den Bundestagsbeschluss „Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ aus dem Jahr 2019. BDS ist das Kürzel für die propalästinensische Bewegung „Boykott – Desinvestitionen – Sanktionen“ gegen Israel.