Ausgabe Juni 2003

Mächtige Banken

Die staatliche Finanzaufsicht ruft nach staatlicher Hilfe für die Banken. Die Lage sei "sehr, sehr bedenklich", sorgt sich der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), Jochen Sanio: Das "deutsche Bankensystem hat die Grenze seiner Risikofähigkeit erreicht". Die weitere Vergabe von Krediten an Mittelstand und Existenzgründer sei kaum machbar und daher der Staat gefordert, das wenig profitable Kleingeschäft (noch stärker) zu sponsern.1

Geht es den Banken wirklich so schlecht? Für Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller keine Frage, er bringt die so genannte Krise auf den Punkt: "Zu hohe Kosten, zu niedrige Erträge."2 Kurz vor dem Start der Hauptversammlungssaison häuften sich die schlechten Nachrichten vor allem aus den Großbanken. So musste die Deutsche Bank in einer Ad-hoc-Meldung den dritten Quartalsverlust in Folge verkünden, noch schlechter schnitten im vergangenen Jahr Hypo-Vereinsbank und Commerzbank ab. Angeschlagen zeigt sich auch die Dresdner Bank, die mit ihren Milliardenverlusten die Konzernmutter Allianz in arge Bedrängnis bringt. Dabei erscheinen die nackten Zahlen, die den Aktionären auf den Hauptversammlungen präsentiert wurden, noch freundlicher, als sie tatsächlich sind, denn hinter den alles in allem moderaten Verlusten steht oft der Verkauf von Tafelsilber, von Industriebeteiligungen und dicken Aktienpaketen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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